Der Zusammenhang zwischen Meningitis, Hirnabszess und Mittelohr

Meningitis und Hirnabszesse, die Pathologien der Hirnhäute und des Hirngewebes sind, stellen ernsthafte Gesundheitsrisiken dar. Meningitis ist eine infektiöse Entzündung der Hirnhäute. Ein Hirnabszess ist eine Abszessbildung infolge einer lokalisierten infektiösen Entzündung im Gehirn. Die Entstehung dieser Abszesse kann verschiedene Ursachen haben. Jedoch steht die Mittelohrentzündung an erster Stelle der Ursachen für die Entstehung von Meningitis und Hirnabszessen.

Symptome einer Mittelohrentzündung, ob akut oder chronisch, betreffen verschiedene Gewebe innerhalb des Schläfenbeins (Os temporale), das umliegende Weichgewebe und das hirnbezogene Gewebe innerhalb des Schädels. Zu den Komplikationen im Schläfenbein gehören Petrositis, Mastoiditis, Labyrinthitis, Gesichtslähmung und Fisteln. Komplikationen im umliegenden Weichgewebe sind Epiduralabszesse, subperiostale Mastoidabszesse und Halsabszesse. Es gibt auch Komplikationen, die sich innerhalb des Schädels entwickeln. Dazu gehören Epiduralabszesse, Meningitis, Hirnabszesse, Subduralabszesse, Hydrozephalus und Sinusthrombosen. Diese aufgeführten Komplikationen sind schwerwiegend und können lebensbedrohliche Folgen haben.

Bei einer Mittelohrentzündung erfolgt die Ausbreitung direkt durch die Zerstörung der Knochenwände. Zudem entwickelt sich die Entzündung, indem sie natürlichen Hohlräumen und Kanälen folgt, durch Membranen sickert oder Thromben/Thromboembolien in kleinen Venen bildet.

Zusammenhang mit dem Mittelohr und gemeinsame Merkmale

Bei akuten Mittelohrentzündungen treten häufig Komplikationen innerhalb des Knochens auf. Dies sind Petrositis, Mastoiditis, Gesichtslähmung und Labyrinthitis. Zudem ist bei akuter Otitis häufig die Entwicklung von Gewebeabszessen zu beobachten. Die häufigste intrakranielle Komplikation ist Meningitis. Bei chronischer Otitis werden eher Weichgewebe-, intraossäre und intrakranielle Komplikationen beobachtet.

Bakterien sind in der Regel die Hauptursache für Mittelohrkomplikationen. Respiratorische Pathogene bestehen aus 3 Mikroorganismen: Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae und Moraxella catarrhalis. Darüber hinaus spielen sowohl bei chronischen als auch bei akuten Fällen verschiedene anaerobe Bakterien innerhalb des Schädels eine aktive Rolle.

Was sind die Komplikationen?

Die Entzündung im Bereich der Mastoiditis umfasst die Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoid), des Knochens hinter dem Ohr. Es hat sich ein Knochenabbau entwickelt, wodurch die Zellen im Mastoid verschmolzen sind und einen großen Hohlraum gebildet haben. Übermäßige Entzündung in der Umgebung ist die Ursache für diesen Abbau. In der Region treten Symptome wie Rötung, Schmerz und Schwellung auf. In der Regel wird Ausfluss beobachtet. Bei Kindern treten zudem eine Verschlechterung des Allgemeinzustands, Fieber sowie Ödeme infolge der Entzündung und ein Vorschieben des Ohrs auf. Im Behandlungsprozess sollte bei Resistenz der Krankheit oder beim Auftreten einer zweiten Komplikation so schnell wie möglich eine Mastoidektomie durchgeführt werden. Parallel dazu wird die Antibiotikatherapie fortgesetzt.

Wenn sich während einer chronischen Otitis eine akute oder koaleszierende Mastoiditis entwickelt, ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich. In diesem Fall wird eine tympanomastoide Operation durchgeführt und Cholesteatom-Granulationsgewebe sowie andere entzündliche Läsionen werden entfernt. Mit dem chirurgischen Eingriff wird außer in Ausnahmefällen eine endgültige Heilung erzielt. Andere Komplikationen und Behandlungen lassen sich wie folgt auflisten;

Petrositis (Entzündung der Felsenbeinspitze)

Petrositis, also die akute Petrositis, ist die Entzündung der Felsenbeinspitze (Apex partis petrosae), die mit Symptomen einhergeht. Petrositis kann sich wie die Mastoiditis sowohl als akute als auch als chronische Otitis-Komplikation zeigen. Dass sich Petrositis seltener zeigt als Mastoiditis, liegt daran, dass das Felsenbein nicht immer lufthaltige Zellen enthält, sondern meist aus einer soliden Knochenstruktur besteht. Auch hier kann sich eine koaleszierende Petrositis (Knochenabbau) zeigen. Das häufigste Symptom der akuten und koaleszierenden Petrositis ist ein tief hinter dem Auge empfundener Schmerz. Zudem kann selten Schielen beim Blick nach außen oder ein Herabhängen des Augenlids auftreten. Zu den Behandlungsmethoden gehören intensive Antibiotikagabe, Mastoidektomie, Myringotomie bei intaktem Trommelfell sowie subkochleäre oder alternative Wege der Drainage. Bei Vorliegen einer Neuropathie wird die Behandlung um Cortisol ergänzt. Die hier durchgeführte medizinisch-chirurgische Behandlung zielt darauf ab, die Entwicklung und das Fortbestehen lebensbedrohlicher oder funktioneller Komplikationen zu verhindern.

Gesichtslähmung (Fazialisparese)

Eine Gesichtslähmung tritt infolge einer Pathologie des Gesichtsnervs auf. Sie kann sich sowohl bei akuten als auch bei chronischen Otitis-Komplikationen zeigen. Bei akuter Otitis wird eine neurotoxische oder entzündliche Wirkung aufgrund der Infektion angenommen. Bei chronischer Otitis kann – außer in Ausnahmefällen – die direkte Einwirkung des Cholesteatoms auf den Nerv oder der Beitrag der Infektion plötzlich zu dieser Pathologie führen. Bei einer Gesichtslähmung kann das Augenlid auf der gelähmten Seite nicht geschlossen werden. Die Augenbraue hebt sich nicht und zeigt aufgrund des Zustands der gelähmten Seite eine Verschiebung zur Gegenseite.

In der Behandlung kann bei intaktem Trommelfell eine Myringotomie durchgeführt werden. Zudem gehören intensive Antibiotikagabe und eine engmaschige Überwachung zu den Behandlungsmethoden. Bei einer Gesichtslähmung infolge einer chronischen Otitis umfassen die Behandlungen die Entfernung des Cholesteatoms, eine chirurgische Behandlung und die Dekompression der Bereiche, in denen die Gesichtsnerven Entlastung benötigen. Dies bedeutet das Eröffnen der Nervenkanäle und die Entlastung des Nervs. Das Ergebnis der Behandlung bei akuter (partieller) Gesichtslähmung ist sehr erfolgreich. Bei chronischer Otitis kann das Ergebnis je nach Grad der Lähmung und der angewandten chirurgischen Methode variieren.

Labyrinthitis (Innenohrentzündung)

Labyrinthitis ist eine Art von Innenohrentzündung, die Fachärzte als Labyrinth bezeichnen. Sie entwickelt sich meist während einer akuten, seltener während einer chronischen Otitis oder Meningitis. Man unterscheidet zwei Arten: seröse und eitrige (suppurative) Labyrinthitis. Bei der serösen Labyrinthitis werden Entzündungsmediatoren in das Innenohr aufgenommen. Bei der eitrigen Labyrinthitis siedeln sich Bakterien im Innenohr an, was meist einen chirurgischen Eingriff erfordert. In beiden Formen sind die Eintrittspforten der Bakterien der Verbindungskanal des Gehirns mit dem Innenohr und andere Spalten.

Symptome der serösen Labyrinthitis umfassen Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Übelkeit, Hörverlust und Erbrechen. Bei der eitrigen Labyrinthitis können zusätzlich intrakranielle Abszesse und Sekundärkomplikationen auftreten. Zur Behandlung dieser Formen sollte bei intaktem Trommelfell eine Myringotomie, intensive Antibiotikagabe und bei Therapieresistenz schnell eine Mastoidektomie durchgeführt werden. Falls erforderlich, sollte eine Labyrinth-Drainage erfolgen, um intrakranielle Komplikationen unter Kontrolle zu bringen. Cortisol wird eingesetzt, um die Entzündung zu unterdrücken und die Entwicklung einer verknöchernden Labyrinthitis (Labyrinthitis ossificans) zu verhindern, bei der das Gehör vollständig verloren geht. Bei seröser Labyrinthitis kann durch die Behandlung eine Wiederherstellung des Gehörs erreicht werden. Bei Hörverlusten infolge einer eitrigen Labyrinthitis entsteht jedoch meist ein irreversibler Zustand. In beiden Typen verschwinden Schwindel und Gleichgewichtsstörungen durch die Behandlungen innerhalb von 2 Wochen.

Labyrinthfistel

Der Zustand, bei dem die Außenwand des Innenohrs (Labyrinth) ein Loch bildet und das kombinierte System aus Mittelohr und Mastoid in Kontakt steht, wird Labyrinthfistel genannt. Dieser Zustand entwickelt sich durch die direkte Schädigung durch das Cholesteatom. Die Fistel betrifft häufig den horizontalen äußeren Bogengang, kann aber auch den oberen und hinteren Bogengang sowie die Cochlea betreffen. In einem solchen Fall können Schwindel und Gleichgewichtsstörungen auftreten, die durch laute Geräusche, kalte Luft oder Druckänderungen ausgelöst werden.

Die Behandlung erfolgt chirurgisch. Durch eine tympanomastoide Operation wird das Cholesteatom entfernt. Darauf folgen der Schutz des membranösen Labyrinths und der Verschluss der Fistel. Der Verschluss erfolgt mit Materialien wie Knochenpaste, Faszie oder Knorpel. Ziel der Behandlung ist es, den Innenohrhörverlust und den Schwindel zu stoppen. Die Behandlung ist in den meisten Fällen erfolgreich. Da jedoch in einer entzündeten Umgebung am Innenohr operiert wird, besteht auch ein Risiko für Hörverlust.

Weichgewebeabszess

Ein Weichgewebeabszess entsteht, wenn sich die Infektion in den subperiostalen Bereich ausbreitet. Dies tritt meist bei akuter Otitis, seltener bei chronischer Otitis auf. Die Ausbreitung erfolgt direkt durch Knochenabbau im Mastoid oder durch Thromboembolien über kleine Venen. Diese Abszesse treten an drei Hauptstellen auf: am Jochbeinansatz, hinter dem Ohr (postaurikulär) und am Hals. Am häufigsten ist der Abszess hinter dem Ohr. Hierbei treten starke Schwellungen hinter dem Ohr auf, das Ohr steht weit nach vorne ab, Fingerdruck hinterlässt eine Delle, und in einigen Fällen kommt es zu Hautdurchbrüchen und Ausfluss.

Beim Jochbeinabszess fallen Schwellungen im oberen und vorderen Bereich des Ohrs auf, zudem treten Schwierigkeiten beim Öffnen des Kiefers auf. Beim Halsabszess ist eine Schwellung entlang des Halsmuskels spürbar. Die Behandlung dieser drei Abszesse erfolgt durch Myringotomie bei intaktem Trommelfell, intensive Antibiotikagabe sowie schnellen chirurgischen Eingriff und Abszessdrainage. Sofern keine weiteren Komplikationen vorliegen, wird durch die chirurgische Behandlung meist eine Heilung erzielt.

Epiduralabszess

Ein Epiduralabszess ist ein Abszess zwischen den Schädelknochen und der harten Hirnhaut (Dura mater). Er entsteht durch die Ausbreitung der Infektion auf das Nachbargewebe infolge von Knochenzerstörung. Er kann sowohl in akuter als auch in chronischer Form auftreten und an zwei Stellen lokalisiert sein: in der mittleren Schädelgrube am Temporallappen oder in der hinteren Schädelgrube am Kleinhirn.

Symptome eines Epiduralabszesses umfassen außer leichten Kopfschmerzen und Fieber keine wesentlichen Beschwerden; manche verlaufen sogar stumm. Die Behandlung zielt auf die Infektionsquelle ab und umfasst die Drainage des Abszesses. Eine Myringotomie kann bei intaktem Trommelfell ebenfalls durchgeführt werden. Danach folgt eine intensive Antibiotikatherapie. Bei weiteren Komplikationen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein. In der Regel erfolgt die Heilung schnell.

Subduralabszess

Hierbei bildet sich ein Abszess zwischen der Dura mater (harte Hirnhaut) und der Arachnoidea (Spinnwebhaut). Er entsteht durch das Vordringen der Infektion in den Subduralraum bei akuter oder chronischer Mastoiditis. Dieser Zustand ist selten, kann aber als Komplikation beider Otitis-Formen auftreten.

Ein Subduralabszess zeigt sich plötzlich und schwerwiegend mit hohem Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen und Übelkeit. Es können Lähmungen oder andere neurologische Symptome auftreten, die bis zum Koma führen können. Die Behandlung erfordert Drainage, Mastoidektomie und Myringotomie bei intaktem Trommelfell. Neben intensiver Antibiotikagabe ist oft ein chirurgischer Notfall-Eingriff nötig. Es besteht ein hohes Lebensrisiko sowie die Gefahr bleibender neurologischer Schäden.

Hirnabszess

Dabei handelt es sich um eine lokale Entzündung im Hirngewebe mit anschließender Abszessbildung. Ein Hirnabszess kann bei akuter oder chronischer Mastoiditis entstehen und tritt meist an zwei Stellen auf: als Temporallappenabszess in der mittleren Schädelgrube oder als Kleinhirnabszess in der hinteren Schädelgrube. Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen und eine Verschlechterung des Allgemeinzustands. Nach einer trügerischen Phase der Besserung bildet sich der reife Abszess. Durch den Druckanstieg im Schädel folgen Kopfschmerzen, Fieber und neurologische Ausfälle. Es besteht die Gefahr einer Einklemmung des Hirnstamms, was lebensbedrohlich ist.

Die Behandlung erfordert den sofortigen Beginn mit Antibiotika gegen aerobe und anaerobe Bakterien. Zudem kann eine schnelle Drainage und Dekompression nötig sein. Offene chirurgische Eingriffe sind selten. Bei gutem Allgemeinzustand erfolgt die Sanierung der Infektionsquelle (Mastoidektomie, Myringotomie). Auch bei chirurgischem Vorgehen bleibt die Situation lebensbedrohlich.

Sinusthrombose

Eine Sinusthrombose entsteht, wenn sich ein infektiöser Thrombus in den Sinusvenen des Gehirns bildet. Sie kann bei akuter und chronischer Otitis auftreten. Symptome sind septisches Fieber, Schmerzen hinter dem Ohr, Kopfschmerzen, Bewusstseinsveränderungen und ein schlechter Allgemeinzustand. Bei Fortschreiten der Krankheit treten weitere neurologische Befunde hinzu.

Die Behandlung umfasst Myringotomie, intensive Antibiotikagabe, Mastoidektomie und die Reinigung der Sinuswand. In einigen Fällen sind weitere Eingriffe wie Sinusligatur oder Thrombusentfernung nötig. Auch bei chirurgischer Intervention bleibt dieser Zustand lebensgefährlich.

Hydrozephalus

Der otogene Hydrozephalus entsteht durch eine Erhöhung des Hirndrucks infolge gestörter Liquorresorption. Er kann bei akuter und chronischer Otitis auftreten. Häufige Symptome sind Kopfschmerzen, Erbrechen und Sehstörungen. Bei der Augenhintergrunduntersuchung kann ein Papillenödem festgestellt werden.

Die Behandlung zielt einerseits auf die Sanierung (wie bei Sinusthrombose) und andererseits auf die Senkung des Hirndrucks (Diuretika, Cortisol, Lumbalpunktion) ab. Es besteht ein erhebliches Lebensrisiko, und der Hydrozephalus kann chronisch werden.

Meningitis

Meningitis ist die akute Entzündung der Hirnhäute. Die otogene Meningitis entsteht meist als Komplikation einer akuten, seltener einer chronischen Otitis. Bakterien gelangen über Knochendefekte, das Innenohr oder Venen zu den Hirnhäuten. Erreger sind meist Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae.

Es besteht Lebensgefahr und ein hohes Risiko für Hörverlust. Symptome sind Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen und Fieber. Die Behandlung erfolgt mit hirngängigen Antibiotika, Myringotomie und hochdosiertem Cortisol (Dexamethason). Bei chronischer Otitis ist meist eine tympanomastoide Operation zur Sanierung der Infektionsquelle erforderlich.

Nachrichten unserer Leser

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