Otosklerose
Otosklerose, auch Mittelohrverkalkung genannt, ist eine der häufigsten Ursachen für Hörverlust. Es handelt sich um eine genetisch bedingte Erkrankung, die nach mehreren Generationen, in denen sie nicht aufgetreten ist, plötzlich bei einer Person auftreten kann. Im Frühstadium des Hörverlusts gelangen Schallwellen durch den äußeren Gehörgang zum Trommelfell und versetzen es in Schwingung.
Diese Schwingung wird über die Gehörknöchelchen im Mittelohr – Amboss, Hammer und Steigbügel – an die Flüssigkeit im Innenohr weitergeleitet. Dort werden die Schallwellen von Nervenendigungen in elektrische Energie umgewandelt und anschließend über den Hörnerv an die Hörzentren im Gehirn weitergeleitet, wodurch das Hören entsteht.
Wie entsteht Hörverlust?
Probleme bei der Übertragung von Schallwellen durch das äußere und mittlere Ohr in die Flüssigkeiten des Innenohrs können zu Hörverlust führen. Bei dieser Art von Hörverlust sind die Hörorgane im Innenohr intakt, jedoch erreichen die Schallwellen diese nicht. Hörverluste, die durch das Innenohr oder den Hörnerv verursacht werden, werden als „sensorineuraler Hörverlust“ bezeichnet. Wenn beide Mechanismen betroffen sind, spricht man von „Mischhörverlust“.
Bei der Otosklerose kommt es zu schwammartigen Knochenneubildungen in der knöchernen Struktur, die die Hörorgane des Innenohrs umgibt. Häufig tritt dies im Bereich des ovalen Fensters auf, wo der Steigbügel (Stapes) die Schwingungen ins Innenohr überträgt. Die otosklerotischen Veränderungen schränken die Beweglichkeit des Steigbügels ein und führen zu einer Störung der Schallübertragung, was einen Schallleitungsschwerhörigkeit verursacht. Wenn auch das Innenohr betroffen ist, entsteht eine „kochleäre Otosklerose“ mit sensorineuralem Hörverlust.
Art und Ausmaß des Hörverlusts hängen davon ab, wie stark das Innenohr betroffen ist und wie sehr die Beweglichkeit des Steigbügels eingeschränkt ist.
Wie wird Otosklerose behandelt?
Es gibt zwei Hauptansätze zur Behandlung der Otosklerose. Der erste ist die medikamentöse Therapie, die insbesondere in frühen und schnell fortschreitenden Fällen darauf abzielt, das Fortschreiten des Hörverlusts zu verlangsamen. Eine definitive medikamentöse Heilung existiert jedoch nicht.
Die zweite und effektivste Methode ist die chirurgische Behandlung. Bei der sogenannten „Stapedektomie“ wird der unbewegliche Steigbügel entfernt und durch eine Prothese ersetzt, die die Schallübertragung übernimmt. Der Eingriff kann unter örtlicher oder allgemeiner Betäubung durchgeführt werden. Die Erfolgsrate liegt bei etwa 90–95%.
Bei leichten Formen oder stark geschädigtem Innenohr ist eine Operation nicht immer erforderlich. Ansonsten wird sie bei den meisten Patienten empfohlen, sofern keine Gegenanzeigen bestehen.
Wie verläuft die Zeit nach der Operation?
In den ersten Tagen nach der Operation kann Schwindel auftreten. Die eingesetzten Ohrtamponaden werden in der Regel nach 8–10 Tagen entfernt. Danach können Patienten schnell in ihren Alltag zurückkehren.
Bei fachgerechter Durchführung sind die Risiken gering. Seltene Komplikationen sind Trommelfellverletzungen, Infektionen, Fazialisnervschäden oder das Verrutschen der Prothese.
Auch nach erfolgreicher Operation kann bei Bedarf ein Hörgerät verwendet werden. Besonders bei beidseitiger Otosklerose ohne Operation kann ein Hörgerät empfohlen werden.


